Volksabstimmung: Die Letten sagen „njet“ zu Russisch
Riga. Das lettische Volk ist sich einig. Die russische Sprache wird nicht zur zweiten Amtssprache der baltischen Republik. Über 70% der Wahlgänger entschieden sich dagegen. Ein Drittel der Bevölkerung schaut in die Röhre.
Vor dem Hintergrund, dass Russland, respektive die Sowjetunion, der Haus- und Hofmeister Lettlands war, leben in der kleinen Republik immer noch etwa ein Drittel russischstämmiger Bürger von gut 2 Millionen lettischer Gesamtbevölkerung. Sie kamen damals um zu bleiben.
Hatte sich doch die russische Sprache in den Jahren zwischen 1940 und 1990 landesweit durchgesetzt, hatten nun ihrerseits die russische Minderheit nach dem Zerfall der UdSSR keinerlei gesteigerte Ambitionen Lettisch zu lernen. Innerpolitisch gesehen war das ein Fatal der lettischen Russen.
Staatenlose Fremdsprachler in der eigenen Heimat
Lediglich die bis vor 1940 Geborenen erhielten nach der Widererlangung der Souveränität die lettische Staatsbürgerschaft. Seit 1995 gibt es ein Einbürgerungsverfahren, das die Kenntnis der lettischen Sprache, sowie die Geschichte und Verfassungskunde Lettlands voraussetzt. Das Ende vom Lied: gut 300.000 Einwohner sind ohne Staatsbürgerschaft.
Dass die Russen, und damit auch das Russische, omnipräsent sind, merkt man vor allem in den östlichen Teilen des Landes. Aber auch die berühmten Markthallen in der Hauptstadt Riga scheinen fest in russischer Hand. Sogar Rigas Bürgermeister ist Russe. Und dennoch ist das lettische Russlandbild nachhaltig getrübt.
Die Letten sind beleidigt, die Russen der Depp
Ungewöhnlich hoch sei die Wahlbeteiligung gewesen, heißt es. Das ist insofern verständlich, dass viele Letten glauben, das Russische würde die eigene Sprache wieder in den Hintergrund drängen. In der Ostlettischen Stadt Rezekne könnte sich der Bürgermeister zumindest vorstellen, Russisch als Regionalsprache zu statuieren.
Das Bestreben der Letten ist nachvollziehbar. Mit dem Wissen, dass Lettland im Grunde genommen schon ab dem frühen 18. Jahrhundert russische Provinz war, jedoch uneinsichtig. Natürlich wiegt das Joch der sowjetischen Bevormundung schwer auf der lettischen Seele noch schwer, aber eine gemeinsame Geschichte sollte auch Völker verbinden.
(mb/.rufo)


