Was bringt Terror? Subjektive Gedanken zu Domodedowo
Michael Barth, Nürnberg. Es gibt Menschen, die sind mit allem zufrieden. Hauptsache, sie stehen nicht in der Pflicht. Es gibt Menschen, denen alles um sie herum herzlich egal ist. Und es gibt Menschen, die sind unzufrieden…
Mit sich, mit der Welt und mit der ganzen Situation um sie herum. Warum muss, wenn es dumm läuft, ausgerechnet ich dafür gerade stehen? Das sind so spontane Gedanken nach dem Attentat, das auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo geschah.
Jeder hätte den Schwarzen Peter ziehen können.
Es hätte mich treffen können oder auch Sie. Haben wir uns jemals eingemischt in die Belange, die zu so einer Tat führten? Nein wir haben es nicht, denn wir haben unsere eigenen Sorgen. Und dennoch hätten wir den Schwarzen Peter ziehen können, wären wir gerade mehr oder weniger zufällig an jenem Ort gewesen. Seinem Unmut Luft zu machen ist ein durchaus legitimes Verhalten. Andere, unbeteiligte Menschen mit ins Verderben zu reiten, nicht!
Denn da fangen die Gedanken an. Wer muss für mich büßen, wenn nicht ich selber? Sich selbst zum Märtyrer zu machen, mag etwas von Selbstüberwindung haben. Ein politisches, oder auch gesellschaftliches Ziel zu haben, ist sicherlich auch nicht verwerflich. Partisanenkämpfe in einem offiziell erklärten Krieg, mögen etwas Heroisches darstellen. Doch in dem Fall sind die Rollen der Protagonisten klar definiert. Der Unterdrückte wehrt sich gegen den Invasor. Soweit so gut.
Lediglich beim Terrorismus, der immer seltsamere Formen annimmt, stimmt es nicht mehr so richtig mit dem Niveau der Wahl der Mittel. In Tel Aviv macht es recht wenig Sinn, an einer Bushaltestelle zu stehen, wenn man davon ausgehen muss, dass selbige gleich in die Luft fliegt. In Moskau U-Bahn zu fahren, scheint genauso wenig Sinn zu machen, und nun traf es eben einen internationalen Flughafen. Über 30 Leute tot, etliche schwerverletzt, und alle anderen Beteiligten werden sicherlich auch noch was zu erzählen haben.
Aber bitte, was macht es wirklich für einen Sinn?
Eigentlich keinen, wenn man genau darüber nachdenkt. Vor allem: Wer sind die Darsteller in diesem Drama? Ein „Nobody“ mit einem Sprengstoffgürtel um die Hüfte, einem Koffer, der gleich Bumm macht in der Hand. Und der Rest?
Wo sind all die Kämpfer hin? Fatal mag es sicherlich klingen. Wo sind sie geblieben, all die Kämpfer für Sinn und Gerechtigkeit. Die selbsternannten Wächter über Werte und Unterdrückung. Vorbei scheinbar die Zeiten, in denen sich die unbeugsamen Kämpfer und Bewahrer vor der Allmacht der Politik alleine auf die Socken machten. Ihren Kampf selber ausfochten, ohne Unschuldige mit in den Tod zu reißen. Hingegen scheint es Methode zu kriegen, seine Public Relation darüber zu erlangen, möglichst viel „zufälligen“ Schutt zu hinterlassen. Es ist traurig. Ja, es ist mehr als traurig, dass der, manchmal sogar durchaus berechtigte, Kampf gegen bestehende Dogmen der Weltpolitik im allgemeinen Chaos enden muss.
Gewalt und Zeichen
Wer hätte sich nicht gerne gewünscht, dass Stauffenbergs Attentat auf Hitler geglückt wäre? War nicht der Kampf, den manche Gruppierungen wie die RAF und sämtliche Kommandos drum herum geführt hatten, eine Art „ehrliches“ Aufbegehren? Diese Gedanken sollen auch nichts billigen. Es war ebenso Gewalt, das ist richtig. Aber es waren auch Zeichen. So gesehen, hat da jemand seinen Hintern hochbekommen und ist den „Feind“ direkt angegangen. Mann gegen Mann, Staat gegen Depp.
Es muss nicht drüber diskutiert werden, wer am längeren Hebel sitzt. Aber es hat etwas verändert. Die Gesellschaft wurde wachgerüttelt. Nicht so bei der neuzeitlichen Variante. Anonym einen zufälligen Ort aufzusuchen, um zahllose Menschen zu töten, zu schädigen und Beteiligte im günstigsten Fall ihr Leben lang zu traumatisieren.
Die Guerilla ist tot, es lebe der Terror, na Mahlzeit. Nein Herr Terrorist – so nicht!



9. Februar 2011 um 05:01
Ich empfehle Fidel Castro, der war da schon weiter und ist das Thema gesellschaftspolitisch pointierter und weniger West-zentristisch. Zu finden auf granma.de
Hier fehlts mM Differenz und einer auch soziologisch genaueren Betrachtung,
ein Schmarrn, da hätte ich einfach mehr erwartet…