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Die Welt im Eimer und die Barbie im Sarg?

Bisher glaubt noch niemand so recht an die weltumwälzenden Folgen der Krise, doch wir kommen ganz anders raus, als wir reingegangen sind, alle, ausnahmslos. Und wir stehen erst am Anfang der Krise, alle weichgespülten hoffnungsvollen Prognosen dienen zur Selbstberuhigung der Politiker und damit das Volk stillhällt.

Gipfel in London, werden die politischen und finanziellen Eliten in der Lage sein, die gravierenden Probleme der Welt zu lösen? Haben sie genug visionäres und strategisches Denkpotential, um alte Strukturen aufzubrechen und Neues zu wagen?

Es sieht nicht so aus. Vollmundige Erklärungen bleiben in der Luft hängen, die weltweite Talfahrt geht indessen weiter. Fotoshootings wie immer und weiter mit Blick auf den nächsten Gipfel. Hauptsache Publicity, egal, was es kostet! Ist auch eine Art Opium fürs Volk. Politisches Showbiz.

Die Ausführungen des russischen Premiers vor der Duma bringen auch kein Licht ins Dunkel, viel mehr als Kratzen an der Oberfläche und versprühten Optimismus ist nicht zu verzeichnen.

Neben den wirtschaftlichen Erscheinungen kochen politische Emotionen hoch. In Moldawien putschen Menschenmassen auf den Strassen, sie wollen das Wahlergebnis nicht anerkennen.

Lukaschenko, sauer auf Moskau wegen der Ablehnung seines Kreditwunsches und eifrig mit der EU flirtend, will an der russisch-weissrussischen Grenze wieder Grenzkontrollen einführen, sich damit immer weiter von der geplanten Union mit Russland entfernend.

Die georgische Küstenwache schikaniert ein russisches Schiff.

Alles scheinbar Kleinigkeiten, die sich zu einem dunklen Puzzle zusammen schieben.
Im Lande gärt es wegen der unaufhörlich steigenden Preise für Nahrungsmittel (die eigene Landwirtschaft liegt brach), die Uniformträger murren wegen mehrere Monate nicht gezahlter Gehälter, die ohne Grund „auf eigenen Wunsch“ Entlassenen und die mit drastisch gekürztem Gehalt denken auch bereits über Teilnahme an Protestaktionen nach.

Was passiert dann? In demokratischen Protestaktionen ungeübt können die Demos schon mal in handfeste Randalen ausarten, wo der über Jahre angestaute Ärger und die Wut auf das korrupte Beamtenvolk sich vulkanartig Bahn bricht. Dann gnade uns Gott!

Für den kometenhaft aufgestiegenen russischen Markt, der am Ende total überhitzt und unrealistisch war, ist die Krise nicht einmal das Schlechteste. Jetzt kommt vielleicht alles langsam wieder an seinen Platz, astronomische Wohn-und Gewerberaummieten, vergoldete Dienstleistungen, hohe Spritpreise (in einem Erdöl fördernden Land!!!) werden hoffentlich erst einmal der Vergangenheit angehören.

Wovor haben die frish gebackenen Reichen in Russland am meisten Angst?

Wieder so arm zu sein wie früher, zu Sowjetzeiten. Das gilt auch für die Regierenden, die Abgeordneten, die Beamten an den Schnittstellen, wo Unterschriften teuer sind. Also werden sie ihre Angst unterdrücken und an einen guten Ausgang glauben. So halten sie auch vor allem in Moskau die Idee hoch, dass z.B. die total überteuerten Immoblilien keinesfalls billiger werden, dass alles so bleibt, wie es ist. Sie übertreffen sich geradezu in ihren Prognosen, wenn „nach der Krise“ alle plötzlich Wohnungen kaufen wollen, aber keine gebaut wurden. Also wird der Rest teuerst verhökert, wollen sie uns glauben machen.

Das ist nicht sehr realistisch, denn die harten Zeiten stehen noch bevor, die strategischen Reserven werden angegriffen, räuberische Hypothekenkredite kann und will sich keiner leisten – woher soll der Ansturm dann kommen?

Russland ist trotz allem immer für eine Überraschung gut. So sind in Krisenzeiten erhöhte Zahlen von Ausstellungsbesuchern festzustellen, Theater und Konzertsäle werden ebenfalls eifrig frequentiert. Das berichtete erfreut und erstaunt Marat Gelman, ein Förderer und Kenner moderner russischer Kunst und Galerist obendrein.

Nach diesem düsteren Blog ein heller Tipp: Am Donnerstag findet um 19.00 Uhr in der Gallerie Gelman im Vinzavod eine interessante Vernissage statt. Dmitri Zwetkow und Linor Goralik zeigen die Barbie von einer völlig neuen und ungewohnten Seite. Titel der Ausstellung „That’s dead”.


 
 
 

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