Amoklauf in Russland – ein fast unbekanntes Phänomen
Auch in Russland gibt es alle Voraussetzungen für blutige Gemetzel: soziale Spannungen, Psychopathen und Massen an Waffen. Aber es gibt bisher kein Wort für „Amoklauf“. Blutbäder wie in den USA, Erfurt, Emsdetten oder Winnenden fanden bisher nicht statt. Erst am Freitag, dem 13.März 2009 wurde erstmals ein Amoklauf aus einer sibirischen Kleinstadt gemeldet.
Dabei ist in Russland Schusswaffenbesitz ohne Waffenschein oder Jagdschein verboten und wird hart bestraft. Das russische Waffengesetz erlaubt bisher nur den Verkauf von Gaspistolen. Aber dies Verbot ist nicht entscheidend, zumal es kaum kontrollierbar ist.
Spätestens seit der Endphase der Sowjetunion sind in Russland Unmengen an Waffen illegal in Umlauf. Verbote und staatliche Sanktionen scheinen also nicht der Grund dafür zu sein, dass es bisher jedenfalls keine bekannt gewordenen Amokläufe in Russland gab.
Denn es gibt nicht nur riesige Mengen an Schusswaffen im Privatbesitz. Sie kommen auch zum Einsatz - allerdings kaum oder gar nicht in der Form des Amoklaufs. Jährlich sterben in Russland etwa 30.000 Menschen an Schussverletzungen. Dies sind Opfer von Raubüberfällen, Bandenkriegen, Jagdunfällen – oder Selbstmörder. Auch gibt es in russischen Familien mehr als genug Mord und Totschlag.
Vor Jahren wurde in Jekaterinburg bei einem Bandenkrieg sogar mal ein Kampfpanzer aufgefahren. Auch der Tschetschenienkrieg oder der Afghanistankrieg fördern nicht gerade den Hang zu Harmonie, Liebe und zivilen Konfliktbewältigungsstrategien.
Alle Voraussetzungen für Amokläufe sind also vorhanden. Und es gibt keine Schulpsychologen. Die Zahl der Psychotherapeuten pro Kopf in Russland ist ebenfalls deutlich niedriger als in den USA oder Deutschland. Insgesamt soll es in Russland für 140 Millionen Menschen nur 2.500 offiziell gemeldete Psychotherapeuten geben.
Warum also? Warum gibt es im Russischen keinen Begriff für Amoklauf und bis in die neueste Zeit (ausser dem jüngsten Fall im fernen Sibirien) auch keinen Tatbestand des Amokslaufs?
Die Antwort auf die Frage kann man wohl so zuspitzen: Suff statt Amok.
Denn außer sozialen Spannungen, Psychopathen und Schusswaffen in Massen gibt es auch jede Menge Wodka. Der ist billig und leicht erhältlich. Und wer eine Flasche Wodka intus hat, hält weder sich selbst noch eine Waffe gerade.
So richtet sich ein russischer Amoklauf eher nach innen, gegen sich selbst.



25. Mai 2009 um 18:09
Enthüllt: Stasi wollte Bundesbürger entwaffnen
(W. O.) Er sollte die Bundesbürger entwaffnen: Er versuchte zwei Jahrzehnte lang, immer neue
Waffenrechtsverschärfungen durchzubringen. Erst jetzt wurde bekannt: Er tat dies im Namen des MfS in Ost Berlin.
Die Stasi-Oberen befürchteten für den Fall eines militärischen Konfliktes mit der Nato, dass ihre Truppen bzw.
Bruderarmeen auf massiven Widerstand bewaffneter Bundesbürger stoßen könnten und in einem Guerillakrieg aufgerieben
würden.
Neben der direkten Einflussnahme auf die Waffengesetzgebung mit dem Ziel der totalen Volksentwaffnung versuchten
DDR-Agenten auch, an die WBK-Inhaber- und Jagscheininhaberlisten der zuständigen Ordnungsbehörden zu gelangen. Im
Konfliktfall sollten diese Personen verhaftet und in Sammellager verbracht werden. Wie jetzt bekannt wurde, sollen
auch bei der Fordernung nach Einführung eines “Waffenzentralregisters” östliche Geheimdienste maßgeblich im
Hintergrund die Fäden gezogen haben.
18. Juli 2009 um 01:00
Je alternativloser eine moderne Gesellschaft erscheint, desto mehr Zynismus wird sie sich leisten. Am Ende ironisiert sie ihre eigenen Legitimationen.(Kritik der zynischen Vernunft, Band I, S.223) Peter Sloterdijk
Damit ist vieles erklärt. Das Problem von Amokläufen ist ja im gesamten “osteuropäischen” Raum wenig bekannt und wird nicht überall durch übermäßigen Alkoholkonsum verhindert. Auch in Russland existiert zumindest der Schein einer zur jetzigen alternativen Gesellschaftsform. Man könnte es auch eine sehr bewegliche Gesellschaft nennen, die es im “westlichen Kulturkreis” immer weniger gibt.