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Monatsarchiv für März 2009

 
 

Zur Diskussion gestellt: Medwedew redet von Rüstung, weil Friedensrede überhört wurde

Dieser Artikel erschien am 16.03. bei Russland-Aktuell. Ihre Meinung?

Gisbert Mrozek, Moskau. Es ist schon merkwürdig: versöhnliche Friedensangebote wie Medwedews Berliner Rede vor einem Jahr werden meist überhört, weil ungewohnt. Kommen dann andere Töne aus Moskau, funktionieren im Westen wieder die Reflexe.

Eigentlich hat Medwedew mit seiner Militärmodernisierungsrede nichts anderes getan, als eine Konsequenz daraus zu ziehen, dass seine Berliner Rede überhört wurde. Er kann gar nicht anders. Bei Strafe des eigenen Untergangs. Er kann schlecht mit Obama über Kompromisse reden, wenn er zu Hause den Ruf des Weicheis hat. Darum ist seine Rede auch für den internen Hausgebrauch - aber nicht nur.

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Amoklauf in Russland – ein fast unbekanntes Phänomen

Auch in Russland gibt es alle Voraussetzungen für blutige Gemetzel: soziale Spannungen, Psychopathen und Massen an Waffen. Aber es gibt bisher kein Wort für „Amoklauf“. Blutbäder wie in den USA, Erfurt, Emsdetten oder Winnenden fanden bisher nicht statt. Erst am Freitag, dem 13.März 2009 wurde erstmals ein Amoklauf aus einer sibirischen Kleinstadt gemeldet.

Dabei ist in Russland Schusswaffenbesitz ohne Waffenschein oder Jagdschein verboten und wird hart bestraft. Das russische Waffengesetz erlaubt bisher nur den Verkauf von Gaspistolen. Aber dies Verbot ist nicht entscheidend, zumal es kaum kontrollierbar ist.

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Die Ökokeule: individuelle und amtliche Vermüllung

 

Während es in Deutschland mode ist, Umwelt freundlich zu leben, wird in Moskau, ja beinahe in ganz Russland fröhlich vor sich hin gemüllt. Zigarettenkippen, Teebeutel, Fischgräten fliegen aus dem Fenster  (die Hofarbeiter aus dem fernen Asien räumen’s schon weg), aus fahrenden Autos „fallen“ leere Zigarettenschachteln, Colabüchsen, Chipstüten und andere schöne Sachen, manchmal allerdings auch Glasflaschen.

Aber die Vermüllung findet nicht nur individuell (aber massenhaft) statt, sondern auch sozusagen amtlich (und noch massenhafter).

Im Winter werden die Strassen und Gehwege mit Chemikalien regelrecht eingeweicht, Schuhe, Hosen, Atemwege, Autos, Grundwasser – alles wird barbarisch in Mitleidenschaft gezogen. Stört aber keinen in der Stadtregierung, sie kaufen weiter munter jedes Jahr andere Chemiejauche, um sie freigiebig zu verteilen. Einmal allerdings hat ihnen die Gier (den „Otkat“ hat ja bisher noch keiner abgeschafft) ein Schnippchen geschlagen. Bei Temperaturen unter -10 Grad verwandelte sich die ganze Brühe in Schmierseife ähnliche Masse, die Autos wahre Strassentangos tanzen liess. 


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Sollte Doping erlaubt werden?

Ist der saubere Sport eine Illusion? Einige Experten sind dafür, Doping - kontrolliert - freizugeben. Nur so könne wieder ein ausgeglichener Wettbewerb hergestellt werden. Wie sehen Sie das?

Seit Jahren jagt die Anti-Doping-Behörde WADA verzweifelt Doping-Sünder, um letztlich doch immer nur hinterherzuhinken. Sportler und Wissenschaftler verfügen über die neuesten Produkte, die bei den aktuellen Kontrollen noch nicht erkannt werden können.

Um sich als interessierter Laie nicht zu sehr mit Blutwerten, Urinproben, pharmakologischen Grundkenntnissen usw. belasten zu müssen, schlage ich vor - Doping grundsätzlich frei zu geben und dem Athleten die Entscheidung selber zu überlassen – dopt er oder dopt er nicht.


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Das kann man auch in Moskau: Geh denken!

Martina Wiedemann, Moskau. Geh Denken! Diese Losung sah ich auf dem Protestmarsch gegen neonazistische Aufmärsche anläßlich des Jahrestages der Zerbombung Dresdens, wo die Opfer nicht genau gezählt werden konnten, weil viele Flüchtlingstrecks in der Stadt waren, in Laubenkolonien unterkamen und beinahe alle den Flammentod starben.

Meine Mutter mit ihren fünf jüngeren Geschwistern kam zu spät und fand keine Aufnahme mehr in der überfüllten Stadt. Aus einem Güterzug in Richtung Chemnitz sahen sie das Inferno, dem sie durch puren Zufall entronnen waren, von Luftdruckwellen wie Federn umhergeworfen.

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