Prosa-Ecke Kolomna: DAS HAUS (Teil I)
Das Haus war ein Eckhaus mit Blick auf eine Kirche; goldbetürmt stand sie der langen Fassade am Platz gegenüber, die Seitenfassade entlang floss der Kanal. Es war ein Haus nach dem Geschmack Dostojewskis – nicht nur wegen der Ecklage und der Kirche. Das kam ihr gleich beim ersten Besuch in den Sinn, als sie, statt die Haupttreppe zu nehmen, über die Hintertreppe hinaufstieg, um in die gewünschte Wohnung zu gelangen.
Ausgetretene, harte und graue Steinstufen, krumm geworden von der Zeit, niedrige Steingewölbe über dem Kopf. Bröckelnder Putz, Dunkelheit – je höher sie kam, desto offener offenbarte das Haus sein langsames und stetes Verfallen. Als hätte es warnen wollen – Lass deine Finger von mir, ich bin eine Nummer zu schrecklich für dich.


